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Solothurner Tagblatt vom 25. November 2004
Kunst-Supermarkt
Leserbrief: «Kaufen nur Banausen im Kunst-Supermarkt ein?»
Auch dieses Jahr melden sich die selbsternannten regionalen Kulturbischöfe zu Wort und verbreiten ihr Lehre von der reinen Kunst. Deren erstes Dogma ist, dass ohnehin kein Künstler sei, wer im Kunst-Supermarkt Kunst verkaufe. Das zweite Dogma besagt, dass nicht Kunst sein kann, was in Sichtfolie verpackt und mit einem 99-er Preis zum Verkauf angeboten werde. Logischerweise drittes Dogma kaufen nur Banausen im Kunst-Supermarkt ein. Man mag über die Art und Weise wie im Kunst-Supermarkt Bilder angeboten werden, geteilter Meinung sein. Sicher erschliesst sich ein Werk besser, wenn es in einem sinnvollen Zusammenhang mit genügend Wirkungsraum ausgestellt und in einem ausführlichen Werkkatalog erläutert wird. Der künstlerische Wert eines Werkes ist davon jedoch nicht abhängig. Oder würde ein Bild von Paul Klee zum kulturellen Fast-Food, wenn es in Folie verpackt mit anderen in ein Regal gestellt würde? Selbstverständlich gibt es im Kunst-Supermarkt, wie im Kunstmarkt generell, Werke von unterschiedlicher Qualität. Deshalb alles als reine Pinselübungen oder Massenware abzuqualifizieren, zeugt von einem oberflächlichen Kunstverständnis, auch wenn die mangelnde Bereitschaft, sich auf die Arbeiten einzulassen, verständlich ist. Liebe Kulturbischöfe, überlasst es doch den Besuchern, ob sie eine gültige Aussage in den Bildern des Kunst-Supermarktes entdecken. Und kritisiert sie nicht, wenn sie Bilder kaufen, weil sie farblich perfekt aufs Sofa abgestimmt sind und einfach nur gefallen. Wird «richtige» Kunst denn gekauft weil sie Werke nicht gefallen? Oder dreht sich die ganze Diskussion gar nicht um die Kunst? Ist es Neid, weil ein Aussenstehender eine Nische im Kulturbetrieb entdeckt hat und diese nun ohne Rücksicht auf die etablierte Kulturszene vermarktet?
Adrian Kaiser, Biberist
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