12. Schweizer Kunst-Supermarkt in Solothurn,
vom 10. November 2010 bis 6. Januar 2012

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 14–20 Uhr / Samstag, Sonntag, Feiertage: 11–17 Uhr
25. Dezember und 1. Januar geschlossen

Eröffnung und Vernissage: 10. November, 18 Uhr

Solothurner Tagblatt vom 20./21. November 2004

Künstlerhaus S11
Kunst für Feinschmecker


Martin Rohde plädierte im Künstlerhaus S11 für «art-gerechte» Kunst. Aus seiner Sicht fördert Meiers Kunst-Supermarkt die Prostitution – und noch dazu im ehemaligen kantonalen Kulturzentrum Palais Besenval.

An der Eröffnung der Ausstellung «ars aperta, augenblick – einblick – pinselstich» ging Kunsthistoriker Martin Rohde mit Peter L. Meiers Kunst-Supermarkt hart ins Gericht. Er kann nicht verstehen, dass man sich in Solothurn lange der Eröffnung eines Restaurants von McDonald’s widersetzte, einen «McKunst» dann aber widerspruchslos akzeptierte. Wenn McDonald’s erklären würde, er sensibilisiere mit seinem Fastfood die Kunden für die Gourmetküche, würde das keiner glauben.

«Ich kann nicht anders»
Wie Luther vor dem Reichstag zu Worms, erklärte Rohde, könne auch er nicht schweigen. Als Präsident des Berufsverbandes visarte.solothurn könne er diese Herabwürdigung der Kunst nicht widerspruchslos hinnehmen. Er verstehe die Künstler nicht, welche diesen Basar mitmachen: «Haben sie das Gefühl, mit diesem Akt der Prostitution ihre Chance zu verbessern?» Das Gegenteil sei der Fall. Eine Teilnehmerin habe ihm erklärt, sie lasse sich nicht vorschreiben, was sie malen und wo sie aufstellen dürfe. Rohde: «Welch ein Irrtum, von «ausstellen» zu reden.» Im Kunst-Supermarkt werden Bilder zu Schleuderpreisen feilgeboten. «Welche», so Rohde, «den Künstlern im besten Fall die Materialkosten decken.»

Kunst-Label
Rohde sprach sich für ein «art-gerechte-kunst»-Label, welches für zeitgenössische regionale Kunst garantiere. Das Künstlerhaus könne in seiner Neuorientierung dieser Bewegung neuen Aufschwung geben. Eine Variante solcher Tätigkeit ist noch bis am 9. Januar 2005 an der Schmiedgasse 11 zu sehen. 20 Künstler aus dem ganzen Kanton zeigen kleinformatige Werke, welche zu Preisen zwischen 200 und 2000 Franken entstanden werden können. Sehr oft, im Gegensatz zum Kunst-Supermarkt, nicht in Klarsichtfolie verpackt, sondern schon gerahmt. Und anstatt sich in Menschentrauben an Wühlkisten zu drängen, kann man einen Rundgang durch die Ausstellung machen. Rohde erneut: «Dabei werden die Kunden nicht durch uniformierte Amateurinnen betreut, welche lediglich über den Standort der Kasse Bescheid wissen.» Oft sind auch die Kunstschaffenden selbst im Haus. So beispielsweise morgen Sonntag Margarita Flad aus Balsthal, am 5. Dezember Fritz Breiter aus Langendorf und am 11. Dezember Severin Borer aus Büsserach. Diese stehen dem interessanten Publikum gerne für ein Gespräch zur Verfügung. Vielleicht schaut auch ein Kunst-Supermarkt Engagierter mal vorbei. Rohde: «Leider ist mit diesem Kollegen noch kein Gespräch in Gang gekommen.»

Hanspeter Flückiger