12. Schweizer Kunst-Supermarkt in Solothurn,
vom 10. November 2010 bis 6. Januar 2012

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 14–20 Uhr / Samstag, Sonntag, Feiertage: 11–17 Uhr
25. Dezember und 1. Januar geschlossen

Eröffnung und Vernissage: 10. November, 18 Uhr

Der Bund vom 20. November 2003

Schnäppchenjagd auf Kunst

«Gute und echte Kunst» zum Spartarif ist im Solothurner Palais Besenval erhältlich.

Shopping der anderen Art: Der vierte Schweizer Kunst-Supermarkt arbeitet mit den Verkaufsstrategien eines Warenhauses und verbindet Kunst mit Kommerz ganz offiensiv.

Eine alltägliche Szene im Kunst-Supermarkt: Kurz vor Ladenschluss bahnen sich gestresste Kunden mit ihren Einkaufswagen den Weg durch endlose Regale, in denen eine riesige Auswahl an Kunst gestapelt ist. Die Anpreisungen vonTiefpreisangeboten leuchten einem farbig entgegen und verführen zum Hamstern. Während man sich überlegt, welches Bild am besten übers Sofa passen könnte, ohne dass sich dessen Tonalität mit der Farbe der Vorhänge beisst, er-tönt der Lautsprecher im Konsum-tempel: «Kunst im Sonderangebot: Zwei Bilder zum Preis von einem beim Vorweisen der Punkte-Sam-melkarte. Kaufen Sie jetzt!»

Nicht ganz so überspitzt darf man sich die Stimmung im Kunst-Supermarkt vorstellen, der im Palais Besenval in Solothurn bereits zum vierten Mal seine Tore öffnet. Trotzdem erinnert vieles an die Verkaufsstrategie der Warenhäuser: ein umfängliches Sortiment verschiedenster Angebote und Wühlkisten, wo das Auge hinreicht. Alle Bilder sind in Plastikfolien verpackt und kosten entweder 99, 199, 399 oder 599 Franken. Mit diesen für den Kunstmarkt unüblich niedrigen Preisen sollen Schnäppchenjäger auf ihre Rechnung kommen. Sogar die Einkaufswagen sind vorzufinden – gesponsert von einer schweizeri-schen Supermarktkette.

Kunst und Kommerz
Diese Warenhausatmosphäre ist laut Organisator Peter-Lukas Meier denn auch bewusstes Konzept der Verkaufsveranstaltung, die «gute und echte Kunst» zum Spartarif für ein breites Publikum erschwinglich machen will. Be-sonders sollen auch jene Leute angesprochen werden, die kaum eine Galerie betreten oder sich mit Kunst befassen. Dazu gehört in erster Linie «Otto Normalverbraucher», der treueste Kunde des Kunst-Supermarktes: Er sorgte letztes Jahr dafür, dass 1800 Bilder verkauft wurden und manche Kunstschaffende sogar nachliefern mussten, da die Nachfrage ihr Angebot überstieg.
Zum Verkauf stehen heuer über 4000 Bilder von 75 vorwiegend aus der Schweiz und Deutschland stammenden Künstlerinnen und Künstlern. Keine «Hobbymaler», wie Meier betont, sondern alles «Profis und Halbprofis». Darunter findet man Kindergärtnerinnen, Sekretärinnen, Sekundarschullehrer und Metzger, die Ihre extra für den Kunst-Supermarkt geschaffenen Arbeiten präsentieren. Die Ausstellungen, die sie bisher bestritten, fanden vorwiegenden in Restaurants, Malschulen, Pflegeheimen und Bibliotheken statt. Nur wenige – zu diesen gehört etwa Michel Mixt Villars aus Biel – haben bereits überregionale Bekanntheit und Anerkennung erlangt.

Diesmal ist die Auswahl laut Meier so gross, «dass Sie auch am 3. Januar 2004 gute Kunst bei uns finden werden». An diesem Tag endet der Konsumspass und einige Kunstschaffende werden dabei ein Taschengeld verdient haben. Doch ob sie auf diese umstrittente Weise einen Namen schaffen und sich längerfristig – wenn überhaupt – in der Kunstszene zu profilieren vermögen, darf bezweifelt werden. Die aus Spanien und Deutschland übernommene Idee des Kunst-Supermarktes verfügt sicher über einen gewissen Witz. Doch allzu erdrückend ist das Angebot, zu durchschnittlich die «Ware» und zu offensiv die Verbindung von Kunst mit Kommerz.